Die Cambridge-Akte
Mein neuester Roman "Die Cambridge-Akte" spielt weitestgehend in England, hat aber auch aktuelle und historische Schauplätze in Deutschland, Norwegen und Nordirland.
Das passiert: Cambridge, Herbst 1990: Der Tod einer alten Dame in einer Seniorenresidenz scheint ein Selbstmord zu sein – bis Detective Chief Inspector Harry House auf beunruhigende Widersprüche stößt. Was als Routinefall beginnt, führt ihn in ein Geflecht aus Geheimdienstmanövern, IRA-Terror und vertuschten Akten. Die Spur reicht zurück ins Dritte Reich und zu einem geheimen Nuklearprojekt – und mitten hinein in die Vergangenheit seines eigenen Vaters. Aus Ermittlungen werden Zweifel, aus Zweifel wird persönliche Betroffenheit.
Ein Politthriller über Schuld, Nuklearterrorismus und die explosive Kraft verdrängter Geschichte, der Mitte Februar 2026 im Frankfurter vss-Verlag erschienen ist.
... und das ist auch Inhalt des Buchs:
Die Stunde der Patrioten
Norwegen ist während des Zweiten Weltkriegs Schauplatz etlicher alliierter Sabotageversuche, deren Ziel die Störung der Nachschubproduktion von Schwerem Wasser ist - einem wichtigen Bestandteil der von den Deutschen betriebenen nuklearen Waffenentwicklung. Eine der erfolgreichsten, aber auch halsbrecherischsten Aktionen des norwegischen Widerstands gegen die Norsk Hydro, einen der wichtigsten Orte der Schwerwasserproduktion für das Dritte Reich im besetzten Norwegen, ereignet sich am 27. Februar 1943.
Atomwaffentests im nationalsozialistischen Deutschland?
Gab es sie, oder gab es sie nicht? Zumindest der Historiker Rainer Karlsch („Hitlers Bombe“) geht davon aus, dass es sie im März 1945 im thüringischen Ohrdruf gab. Im Roman sind sie Teil der Fiktion. Erleben wir den Moment kurz mit, wie ihn Heinrich Ucker, der Vater des deutschstämmigen Ermittlers Harry House, an jenem Abend im März im Testbunker erlebt haben mag. „Er kniff, wie alle, die durch die Sichtschlitze nach draußen spähten, zum Schutz gegen die blendende Helligkeit die Augen zusammen. Als er sie wieder öffnete, schaute er in ein Meer von gelblichem und rötlichem Licht, das wie ein anhaltender Lichtblitz über der Landschaft stand. Gleich darauf wand sich eine schlanke, hohe Säule in die Luft, hell und leuchtend wie die Sonne, und danach schien sich die Säule oben an ihrer Spitze zu vergrößern. Ja, sie verbreiterte sich und nahm die Form eines Gebildes an, das einem großen, dicht belaubten Baum ähnelte. Gleichzeitig schien ein gewaltiger Windstoß die Baumreihen am östlichen Rand des Geländes zu erfassen, zu dem Uckers Blick geflogen war. Sie bogen sich einen Moment wie Lakritzstangen zur Seite und waren im nächsten Moment verschwunden, wie wegrasiert. In dem Moment drückte auch etwas wie mit unsichtbarer Faust gegen den Bunker, als wollte es ihn umwerfen. Sekundenbruchteile später war die Faust wieder verschwunden.“ Im Roman wird von einer sehr begrenzten nuklearen Sprengung auf dem damaligen Truppenübungsplatz in Thüringen ausgegangen. Aber auch diese ist mehr als verstörend – zumal sich dorthin verbrachte Kriegsgefangene als lebende Versuchskaninchen im Explosionszentrum befinden.
Stollen 3
Auch ein ominöser Stollen 3 spielt im Roman eine wichtige Rolle. Dort, abgeschieden in einer Hochebene im südwestlichen Norwegen, verbergen deutsche Wehrmachtssoldaten während des Kriegs Uran und von deportierten Juden geraubtes Gold. Gut vierzig Jahre später gibt es gleich zwei Lagepläne des Verstecks, gezeichnet von Heinrich Ucker und einem SS-Mann, die sich in der Vorgeschichte der Handlung wiederholt über den Weg laufen. Die Zeichnungen wecken Begehrlichkeiten –und zwar unterschiedlicher Art.



